Arbeitswelt 4.0 dominierendes Thema

17.09.2015 von Lydia Zillmann

An einem Begriff kam man auf der diesjährigen „Zukunft Personal“, Europas größter Fachmesse für Personalmanagement, nicht vorbei: „Arbeitswelt 4.0“. Einige der Top-Fragen dabei: Wie kann ich meine Mitarbeiter für die zukünftige Arbeitswelt besser qualifizieren? Wie funktioniert eigentlich Recruiting in der digitalen Zukunft? Wie initiiere ich im Unternehmen eigentlich die moderne digitale Arbeitswelt und warum ist die Frage nicht mit dem Einkauf der richtigen Software gelöst?

Anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums wagten wir gemeinsam mit der Bitkom Akademie sowie Prof. Dr. Christoph Igel (Wissenschaftlicher Direktor des „Center for Learning Technology“ im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) und Dr. Nico Rose (Head of Employer Branding, University Relations and Recruiting Programs von Bertelsmann SE & Co. KGaA) beim Bitkom-Lunchevent auf der Messe ebenfalls einen Blick in die digitale Zukunft.

Die Notwendigkeit der so genannten „Arbeitswelt 4.0“, die unter anderem die digitale Vernetzung und Neugestaltung von Arbeitsprozessen und –aufgaben zur Folge hat, wird heute kaum noch infrage gestellt. Doch die Umsetzung – sei es im Bereich der Personalentwicklung mittels eLearning, des Recruitings unter Zuhilfenahme von Big Data und Social Media oder durch die digitale Unterstützung von Zusammenarbeit und Innovation mit „Social Collaboration Tools“ – ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine organisatorische und kulturelle Herausforderung.

So warf Prof. Dr. Christoph Igel in seinem Vortrag „Wie digital wird die Weiterbildung in Zukunft sein?“ unter anderem die Frage auf, was es wohl für die Qualifizierung der Mitarbeiter bedeuten werde, wenn in der digitalen Zukunft die Maschine dem Menschen vorgibt, was er zu tun hat. Dies ist vor allem eine ethische Frage, die jedes Unternehmen für sich beantworten muss. Neben den vielfältigen technologischen Möglichkeiten moderner Bildungstechnologien für die Qualifizierung verwies Prof. Dr. Igel auch auf deren Grenzen und sprach unter anderem die fehlende Didaktik an. eLearning-Lösungen sind zwar weit verbreitet, jedoch sollten sich Unternehmen sowie Bildungseinrichtungen in der Mitarbeiterqualifizierung genauer damit auseinandersetzen, welche Technologien didaktisch sinnvoll sind und wie sich diese in den größeren organisationalen Zusammenhang setzen lassen, damit sie Wirkung zeigen können.

Im zweiten Vortrag ging Dr. Nico Rose mit dem heutigen Vorgehen zur Mitarbeitergewinnung ins Gericht und zeigte anhand von zehn Thesen die Zukunft des "Recruiting in Zeiten der digitalen (R)evolution" auf. Die Digitalisierung und die damit bestens vertraute neue Generation von Mitarbeitern stellen neue Anforderungen an ihre Arbeitgeber. Die Zeiten, in denen ein Unternehmen eine Stelle ausschreibt und abwartet, bis sich ein geeigneter Kandidat meldet, sind vorbei. Längst gelten neue „Spielregeln“ im Recruiting, man denke nur an die bislang meist ungenutzten Möglichkeiten von Big Data. Wenn Studien belegen, dass 200 Interaktionen auf Facebook – und sei es nur über das Drücken des Like-Buttons – reichen, um Menschen besser einschätzen zu können als ihre engsten Vertrauten es vermögen, warum dann die Daten nicht auch professionell für das Recruiting nutzen? Doch digitale Lösungen sind auch hier kein Allheilmittel. Dr. Rose warnt dazu in einem lesenswerten Hintergrundartikel zum Thema, dass sich Unternehmen „(…) – bei allem potenziellen Nutzen – eingehend überlegen müssen, wie viel ,Big Data‘ in diesem Kontext ethisch angemessen ist.“

Im letzten Vortrag des Lunchevents ging es um das Trendthema „Arbeitswelt 4.0 - Moderne Arbeitswelt zwischen Illusion und Wirklichkeit“. Wie in den vorangegangen Reden deutlich wurde, birgt die Digitalisierung zwar beeindruckende neue Möglichkeiten für die moderne Personalarbeit, aber eben auch Herausforderungen: Bleibt der Teamzusammenhalt bei der virtuellen Kommunikation und Zusammenarbeit auf der Strecke? Welche Rolle tragen eigentlich Führungskräfte, wenn Expertenwissen immer einfacher im firmeneigenen Netzwerk online abrufbar ist und Teams sich mit den richtigen Tools immer besser selbst organisieren können? Durchaus kontrovers betrachtet wurde auch die Frage, ob digital unterstützte flexible Arbeitsmodelle noch mehr Struktur und Management erfordern. Dabei wurde eine Erkenntnis schnell deutlich: Es hängt von der kulturellen Reife des Unternehmens ab, ob die Einführung der Arbeitswelt 4.0 in der Organisation ihre Vorteile oder Kehrseiten zeigt. Kulturelle Schwächen in der Zusammenarbeit lassen sich durch die Einführung moderner Technologien nicht einfach ausbügeln, im Gegenteil.

Wie aus der Illusion von Arbeitswelt 4.0 Wirklichkeit werden kann, ist in einem Artikel von AviloX-Geschäftsführerin Regina Köhler auf der Haufe-Plattform „Insights“ nachzulesen.

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