Empathische Führung gegen psychische Erkrankungen

Bei der Fachtagung "Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" in Basel im Frühjahr dieses Jahres gab es alarmierende News: Selbst kleinen Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern entstehen pro Jahr Kosten von mehr als 100.000 Euro durch psychische Erkrankungen ihrer Mitarbeiter. Die gute Nachricht aber: Die Forschung weiß mittlerweile, was Unternehmen dagegen tun können.

Unternehmen haben immer stärker mit psychischen Erkrankungen ihrer Mitarbeiter, wie Depressionen oder dem so genannten „Burnout“ sowie den daraus resultierenden Folgen zu kämpfen. So erläuterte Dr. Werner Kissling vom „Centrum für Disease Management“ an der TU München, auf der Fachtagung "Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ am 3. Februar 2016 in Basel, dass aktuell in Unternehmen durchschnittlich drei Fehltage pro Mitarbeiter jährlich wegen psychischer Erkrankungen anfielen. Damit verbunden seien sechs weitere Tage, an denen die Mitarbeiter zwar anwesend, aber nicht leistungsfähig seien.

Ausfall geht an die Substanz

Das kann kleinen Unternehmen schnell an die Substanz gehen. Hat eine Firma 100 Mitarbeiter, dann liegt der durchschnittliche Schaden durch psychische Erkrankungen pro Jahr bei ca. 90 Fehltagen. Bei einem angenommenen Mitarbeiter-Jahreseinkommen von 46.000 Euro bei 220 Arbeitstagen "kostet" jeder Fehltag das Unternehmen rund 210 Euro, was hochgerechnet auf 90 Fehltage einen jährlichen Schaden von knapp 19.000 Euro bedeutet. Bei dieser Rechnung ist ein möglicher Produktivitätsausfall nicht berücksichtigt. Geht man von 100.000 Euro Umsatz pro Mitarbeiter jährlich aus, ergibt sich ein weiterer Schaden von 90.000 Euro pro anno. 

Mittlerweile gibt es zig Angebote selbsternannter "Stress-Experten" aus der Trainer-, Coaching- und Selbsthilfe-Ecke, die mit gutem Rat Abhilfe schaffen wollen. Diese Angebote würden aber zum Teil mehr schaden als nützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Montreal in Kanada, über die in der Zeitschrift „Psychologie heute“ in der März-Ausgabe 2016 unter der Überschrift "Gestresst vom Stressratgeber" berichtet wird. Die Zeitschrift zitiert Studienleiterin Sonia Lupien: „[…] dass gerade die Leserinnen und Leser solcher Ratgeber anfälliger gegenüber Stress sind und stärker mit depressive Stimmungen zu kämpfen haben als die meisten anderen.“ Daraus folgert Lupien, dass diese Bücher nicht die gewünschte Wirkung erzielen würden.

Wirksamstes Mittel: Führungskräfte-Schulungen

Was aber hilft Unternehmen wirklich, um die Herausforderung zu meistern? Die Antwort darauf ist laut Dr. Kissling von der TU München eindeutig: die Schulung von Führungskräften. Führungskräfte haben einen maßgeblichen Einfluss auf Zufriedenheit und Engagement ihrer Mitarbeiter. Dieser Einfluss bestätigt sich auch im Kontext psychischer Erkrankungen: Laut einer Untersuchung der TU München werden "Schulungen für Führungskräfte" mit 95 Prozent Nennung als die mit Abstand wirksamste Maßnahme für die psychische Gesundheit von Mitarbeitern eingestuft. "Informationsveranstaltungen für alle Mitarbeiter" kommen mit 40 Prozent auf Platz zwei und "Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen" belegt mit 20 Prozent den dritten Platz.

Fazit: Ein Training für Führungskräfte, das sich mit einem differenzierteren und emphatischeren Umgang mit Mitarbeitern auseinander setzt, macht sich schnell bezahlt.

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Um Bot-generierten Kommentaren vorzubeugen, bitten wir Sie, dieses Captcha zu lösen.
9 + 8 =
Solve this simple math problem and enter the result. E.g. for 1+3, enter 4.