Führung der Zukunft: Sichtweisen verhandeln

Selbständig denkende und handelnde Mitarbeiter brauchen eine andere Führung als das restliche Team. Der Grund: In zunehmend komplexen Unternehmens-Umfeldern wandeln sich die Anforderungen an Führung grundlegend. Und dabei ist es für Führungskräfte künftig schlichtweg nicht mehr möglich, als Einzelperson den Überblick über alle notwendigen Fakten zu haben und die nicht selten widersprüchlichen Anforderungen und Vorhersagen zu bewerten.

Statt einsamer „Basta-Entscheidung“ werden in Zukunft verstärkt gemeinsame Sichtweisen zwischen Führungskraft und Mitarbeitern ausgehandelt werden. Statt in stabilen Hierarchien und klar gegliederten Aufgabenbereichen wird zunehmend in temporären aufgabenbezogenen Netzwerken gearbeitet, worauf die seit Jahren stetig zunehmende Projektarbeit ja bereits einen Vorgeschmack gibt. Dadurch werden höhere Anforderungen an die Kommunikation und Koordination „unter Gleichen“ gestellt. Auch weil sich Entscheidungskompetenzen zunehmend von der Führungskraft zum Team verlagern und sich so in vielen Unternehmen der Chef vom „Vorgesetzten“ zum „Leader“ wandelt. Das erfordert ein vollkommen anderes Führungsverständnis.

Spielregeln verändern sich gerade

Bestätigt wird diese Botschaft durch eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, wonach sich die Spielregeln von wirksamer Führung gerade nachhaltig verändern. Die wichtigsten Thesen daraus:

  • „Führungskräfte sind zunehmend mit Aufgaben konfrontiert, in denen sie keine eindeutige Weisungsbefugnis mehr haben, gleichwohl aber für die Leistungen anderer verantwortlich sind.
  • Die Mechanismen der Legitimität von Führung sind darüber hinaus komplexer geworden. Gelingt es einer Führungskraft nicht, die Menschen über, neben und unter sich für die eigene Sache zu gewinnen, schwindet die Legitimität von Führung schnell. 
  • Zu bewältigen ist jedenfalls das bisher Unmögliche: Mehr Komplexität bei weniger Struktur und eine beschleunigte Reaktionsfähigkeit bei geringerer Planbarkeit. Wie die Quadratur des Kreises also, die vermeintlich Gegensätzliches dennoch in einem dauerhaften Spannungsverhältnis immer wieder austariert.“

Viele Unternehmen haben diese Herausforderung noch gar nicht „auf dem Schirm“. Denn obwohl fast Zweidrittel der Unternehmen den „Fachkräfteengpass“ als zunehmendes Problem in den nächsten beiden Jahren ansehen, versuchen sie vor allem ihr Personalmarketing zu verbessern. Da wird versucht, mit viel Aufwand neue Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen, die dann durch schlechte Führung und Probleme im Team wieder rausgeekelt werden: „Fehlen nette Kollegen oder ein guter Chef, wechseln Arbeitnehmer schneller den Job – vor allem die Engagierten“ schreibt die Tageszeitung „Die Welt kompakt“ am 26. Oktober 2015 und verweist auf eine Studie des Bundesarbeitsministeriums.

Aber was können Unternehmen tun bzw. wo sollten sie konkret ansetzen? Um diese Frage ging es im „Bundesworkshop gute Führung“, der im September 2015 parallel an fünf Standorten in Deutschland mit mehr als 400 Teilnehmern stattfand. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild, das trotz vieler Facetten eine klare Richtung zur Verbesserung der Führung und Zusammenarbeit aufzeigt. Empathie zieht sich dabei als Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Führung wie ein roter Faden durch die Liste. Statt also alle Mitarbeiter gleich zu behandeln, müssen Führungskräfte lernen, ihre Mitarbeiter motiv-orientiert zu leiten. So können unnötige Reibereien und Konflikte vermieden und auch bei hoher Arbeitsbelastung Motivation und Leistung gesteigert werden.

Und wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?

Ein einfaches „Weiter so!“ wird auf Dauer kaum noch funktionieren. Stattdessen sollten Unternehmen jetzt „die Ärmel hochkrempeln“ und in einen Dialog über zukünftige Herausforderung und Lösungsmöglichkeiten einsteigen.

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