Gastbeitrag: Keine Angst vor dem bösen Fehler

 

Das Märchen vom Scheitern in der Wirtschaft

Sprichwörter wie „Irren ist menschlich“ oder „Aus Fehlern lernt man“ sind in unserer Sprache tief verankert. Doch laut einer Studie der Uni Hohenheim schrecken aus Angst vor einem Scheitern durch Fehler mehr als 40 Prozent der Deutschen davor zurück, ein eigenes Unternehmen zu gründen, obwohl sie eigentlich dazu bereit wären.

Erfolgsgeschichten wie des amerikanischen IT-Spezialisten Max Levchin beweisen das Gegenteil: Nach vier gescheiterten Unternehmensgründungen gelang ihm mit dem Startup PayPal der Durchbruch. Steve Jobs scheiterte mit seinem ersten Computer-Projekt Lisa und wurde als Angestellter von Apple entlassen. Einige Jahre später konnte er Apple aufkaufen und zu legendären Erfolgen führen. Diese Beispiele zeigen: Fehler können häufig ein Neuanfang sein und den entscheidenden Impuls für den Erfolg setzen. So gehören im „Silicon Valley“ die sogenannten „Phönix aus der Asche“-Geschichten mitunter zum „guten Ton“ eines märchenhaft erfolgreichen Unternehmers.

Niemand scheitert gerne – erst recht keine Führungskraft. Aber die Angst vor Fehlern ist in Deutschland mit seinem traditionell hohen Anspruch an Qualität und Perfektion immer noch größer, als die tatsächlichen Auswirkungen eines gescheiterten Projekts. Diese Angst hat Folgen: Negative Emotionen von Führungskräften wirken sich negativ auf die Mitarbeiter aus, wie Kristi M. Lewis von der California School of Professional Psychology in einer Studie nachweisen konnte. Nicht nur die Risikobereitschaft der Mitarbeiter ließ nach, sondern auch ihr Engagement und ihre Kreativität; dadurch nahm die Fehlerhäufigkeit sogar zu.

Doch warum sind wir so übervorsichtig? Ist die Managementkultur in den meisten Unternehmen zu wenig fortschrittlich? Werden Fehler immer noch tabuisiert?

Zugegeben: Die Akzeptanz von Fehlern ist in unserer Gesellschaft noch nicht wirklich verankert. Aufgrund psychologischer, organisatorischer und individueller Barrieren investieren wir zu viel Energie darin, Fehler zu vermeiden und einfach zu leugnen. Bereits als Kinder lernen wir in unseren sozialen Systemen, zu welchem negativen Feedback und welcher Blamage Fehler führen. Wer keine Fehler macht, erhält dagegen eine Belohnung und soziale Anerkennung.

Wie kann man diese Angst vor Fehlern abbauen?

Die Basis dafür ist ein sicheres Kommunikationsumfeld, das Unternehmen wie auch Berater und Mediatoren durch Transparenz und Vertrauen schaffen können. So wird in der Organisation und im Beratungskontext – wie auch in einem Mediationsprozess - ein Bewusstsein für Fehler geschaffen, um eine konstruktive Diskussion erst zu ermöglichen. Hier sind mediative Kompetenzen von Führungskräften und Beraterinnen gefragt wie Empathie, Reflexion, Geduld und Toleranz.

„Der größte Fehler ist es, Fehler nicht als Chance zum Lernen zu nutzen.“

Die Effizienz im beruflichen Umfeld kann durch einen offenen Umgang mit Fehlern und geeignete Formate sogar gesteigert werden. Das verhindert, dass sich anfänglich kleine Fehler zu großen Problemen entwickeln. Mehr noch: Eine ausgeprägte Fehlerkultur fördert Empathie, initiiert einen stärkeren Teamgeist und animiert Mitarbeiter oder Klienten zum unkonventionellen, kreativen Denken. Damit lassen sich Probleme und Konflikte oftmals besser und einfacher lösen.

Sollte also im Verfahrens- oder Projektverlauf ein offenkundiger Fehler auftreten: Analysieren und reflektieren Sie diese Abweichung konstruktiv. Enttabuisieren Sie Fehler und setzen Sie stattdessen eine ausgewogene „Lessons-Learned“-Fehlerkultur auf die Tagesordnung. Aus diesen Erfahrungen können Sie nachhaltig lernen und als Führungskraft, Berater oder Mediator beste Voraussetzungen für innovative Lösungen und Ihren Erfolg schaffen.