Mit Weitblick das Cloud-Zeitalter meistern

Wollen wir diesen Planeten für sechs bis zehn Milliarden Menschen sicher und zukunftsfähig gestalten, können wir nicht innerhalb unserer Nationalgrenzen denken, sagt Philipp Müller, Public Affairs Director bei CSC. Der Blick in die USA zeigt, wie eine Kombination von technologischen und organisatorischen Maßnahmen konkret Ressourcen einsparen, Innovation vorantreiben und unsere Lebenswelten verbessern kann. Die deutsche Sensibilität für Industrie, Gesellschaft und Langfristigkeit wird die Digitalisierungsdividende noch größer ausfallen lassen. 

Die gesamtgesellschaftliche Debatte zu Digitalpolitik in Deutschland ist eingefahren. Wir fokussieren Themen wie Rechenzentrenkonsolidierung, “Schlandnet” und “Schengen-Routing”, Industrie 4.0 oder das Leistungsschutzrecht und verlieren dabei den Weitblick. Ein intelligenter Diskurs innerhalb von Deutschland und Europa kann nur funktionieren, wenn wir ein langfristiges Denken und Handeln in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft etablieren. Und das braucht Führungshandeln, das die digitale Logik verstanden hat.

Dann wird die nächste Welle der Digitalisierung europäisch sein. Denn digital an sich ist nicht so kompliziert – solange man sich darauf einlässt. Digital in Kombination mit Industrie, mit Gesellschaft und langfristigem Denken ist herausfordernd und wird den Erfolg in der nächsten Welle ausmachen. Denn nur durch den Zusammenschluss der deutschen Industrie mit der Digitalwirtschaft können Chancen der digitalen Transformation umgesetzt werden. Die technischen und organisationstheoretischen Voraussetzungen dafür haben wir in Deutschland schon heute. Und doch müssen wir uns auf neue Denkmuster einlassen.

Die folgenden fünf Trends müssen verstanden werden und können uns im Denken, Handeln und Führen leiten:

1. Computing neu denken.

Zurzeit werden die Grundstrukturen von Computern neu gedacht. SAP positioniert sich mit in-memory-computing und HP mit dem Projekt „The Machine". Hier geht um die revolutionäre Gestaltung der Computer-Rechenleistung, die bis an die Grenzen der Physik geht. Ein solches technologisches Umdenken verändert auch die organisatorischen Möglichkeiten, die Datenerhebung und -speicherung und wie wir über Sicherheit nachdenken.

2. Künstliche Intelligenz und Big Data implementieren.

Seit fast zwei Jahrzehnten sprechen wir über künstliche Intelligenz und Big Data. „Watson“ von IBM – und analoge Projekte bei allen anderen großen Herstellern – ermöglichen die Umsetzung. Die zwei größten amerikanischen Krankenhäuser, die sich mit Krebs befassen, setzen Watson ein, um ressourcenschonend und exzellent zu arbeiten und gleichzeitig ihr Wissen mit dem Rest der Welt zu teilen. So können die richtigen Daten zum richtigen Zeitpunkt zusammengebracht und analysiert werden.

3. Offline/Online zusammenbringen

Wir sprechen immer noch von der Unterscheidung zwischen online und offline. Doch schon in den 1990er Jahren zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, dass Menschen nicht besonders gut zwischen Wirklichkeit und Virtualität unterscheiden können. Unser analoges Leben ist inzwischen vollständig abhängig von digital strukturierten Prozessen. Dies führt dazu, dass Innovationen wie die „Oculus Virtual Reality“-Brille, eine Weiterentwicklung des 3D-Druckers, aber auch organisatorische Innovationen der „Share Economy“ weitreichende Auswirkungen auf unsere Lebenswelten und Produktion haben.

4. Möglichkeits(t)räume verwirklichen

Digitalisierung ermöglicht durch Sensorik, Vernetzung, Datenanalyse und -nutzung neue Organisationstypen. Raum, Zeit und Verarbeitungskapazität sind nicht mehr die relevanten Kontextfaktoren und Wertschöpfungsketten müssen nicht an den traditionellen Grenzen der Organisation enden. Die grundsätzlichste aller Fragen in der Betriebswirtschaft, nämlich „make or buy“, wird damit aufgelöst und durch die Frage nach wo öffnen, wo abschließen” ersetzt. Intelligentes Schnittstellenmanagement, wie z.B. bei Paypal oder Ebay, ist die hohe Kunst der Strategie im Digitalzeitalter.

5. Digitalpolitik globalisieren.

Digitalpolitik findet längst nicht nur in den Nationalstaaten statt, da die meisten Firmen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes außerhalb der USA machen. Das „National Institute of Standards and Technology“ (NIST) entschied sich beim „Framework for Improving Critical Infrastructure Cybersecurity" nicht für den Weg der Gesetzgebung, sondern dafür, einen Rahmen zu schaffen, in dem eine dynamisch, aber nachhaltig qualitätssteigernde Entwicklung möglich ist. Und das braucht neue Formen der Politik und der Kontrolle.

Die Qualität des Diskurses können wir erhöhen, wenn wir nicht in alte Reflexe verfallen. Das bedeutet, die Logik von digital auch politisch zu erfassen und zu lernen, unsere Werte und Anliegen in das Cloud-Zeitalter zu übersetzen. Die Frage dieser Ausgestaltung ist viel größer als die territorial bestimmten Diskussionen, die wir noch heute führen.

Deutschland kann einer der europäischen Vorreiter der IT-Transformation sein, wenn wir es schaffen, die Debatte zu öffnen und dem Thema Digitalpolitik mit Abstand, Reflexion und Vernunft zu begegnen. Wir brauchen emanzipiertes digitales Führungsverhalten.

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